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Den Schlüssel zu sich selbst zu finden, öffnet alle Türen

 

Bild: commons.wikimedia.org

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27.05.2015

 

Wir stehen in vielen deutschen Städten vor scheinbar unlösbaren Problemen. Flüchtlingen fehlen die Unterkünfte, Kindergärten werden geschlossen oder es fehlen zahllose Kindergartenplätze, Obdachlosen fehlt der Schlafplatz und finanziell schlechter gestellten Familien die Möglichkeit, ihren Kindern ein Minimum an kultureller oder sozialer Beteiligung zu bieten. Nebenbei klagen soziale Einrichtungen über fehlende finanzielle Mittel, um ihre Arbeit umfassend durchführen zu können und gesunde Ernährung ist für viele Menschen, die auf Organisationen wie die Tafeln angewiesen sind, ein Fremdwort. Gerade in ärmeren Familien ist die medizinische Versorgung im Bereich Vorsorge und Zahnersatz ein Luxus, den sie sich einfach nicht leisten können. Der Staat befindet sich in einer Abwärtsspirale, denn immer weniger Beschäftigte führen zu geringeren Steuereinnahmen, wobei zeitgleich die Zahl der Rentner im Vergleich zu beitragszahlenden Versicherten der Rentenversicherung steigt. Soziale Absicherung bewegt sich langsam von einer Selbstverständlichkeit hin zur Unsicherheit.

Fest steht, dass Geldmangel ein immer weiter verbreitetes Problem ist und die Kluft zwischen Arm und Reich stetig größer wird. Nur wenige Unternehmen in Deutschland können sich einer finanziell gesicherte Position erfreuen und sich entspannt und ohne jegliche Anstrengung zurücklehnen. Eines davon ist die katholische Kirche. Doch einer Religionsgemeinschaft, die auf der Nächstenliebe basiert, gönnt man dies ja auch, denn immerhin gehen wir davon aus, dass die Kirche so viel Gutes tut, dass sie den Staat entlastet. Doch weit gefehlt.

Die katholische Kirche hat, nicht nur in Deutschland, ein besonderes Vorrecht. Während alle Unternehmen einen Geschäftsbericht nach dem Handelsgesetzbuch verfassen müssen, bildet sie eine Ausnahme von der Regel. Nun könnte man dies damit begründen, dass die Kirche ja kein Unternehmen im üblichen Sinne ist, doch betrachtet man einmal Besitztümer und Tätigkeiten der einzelnen kirchlichen Bereiche, wird schnell klar, dass dies nicht stimmt. Im deutschen Handelsregister befinden sich mehr als 3000 Eintragungen, die den Zusatz „katholisch“ tragen. Diverse Banken gehören ebenso zur katholischen Kirche wie der Weltbild Verlag, Tellux Film, Adelholzer oder unzählige Weingüter. Jeder normale Bürger würde dies nun als ein klassisches Unternehmen einstufen. Nicht so aber die deutschen Behörden und schon gar nicht die Kirche selbst.

Nimmt man das Erzbistum Köln einmal als Beispiel für den Wirkungskreis der Kirche, wird man schnell feststellen, dass man es hier nicht nur mit einem Unternehmen im klassischen Sinne, sondern zusätzlich einem extrem erfolgreichen zu tun hat. Das Bistum ist Teilhaber eines Immobilienkonzerns, dessen Wert auf 450 Millionen Euro geschätzt wird, verfügt über ein Fondsvermögen von fünf Milliarden Euro mit Beteiligungen an diversen Einkaufszentren und Cityimmobilien in Großstädten in Deutschland und der Schweiz und nimmt alleine an Zinsen jährlich 46 Millionen Euro ein, was bei einer angenommenen, durchschnittlichen Verzinsung von fünf Prozent auf ein Vermögen von einer Milliarde Euro hindeutet. Interessant hierbei ist, dass Besitzer diverser Kölner Immobilien eine Firma ist, die ihren Sitz in Amsterdam hat, dort aber durch ein Serviceunternehmen vertreten wird. Die Kirche mit ihrer Vorbildfunktion nutzt somit Steuerschlupflöcher, was von ihr selbst in keiner Form bestritten, sondern derart kommentiert wird, dass es Aufgabe von Christen sei, verantwortlich mit Geldern umzugehen. Dass dabei aber dem deutschen Staat Steuergelder in Millionenhöhe entgehen, diese Steuergelder aber gerne genutzt werden, um diverse kirchliche Einrichtungen zu finanzieren, wird nicht weiter erwähnt. Denn gerade in Deutschland hat die katholische Kirche eine nahezu einzigartige Position. Während in den meisten Ländern eine Kirchensteuer nicht bekannt ist, fließen jährlich 5,5 Milliarden Euro in die kirchlichen Kassen, 200 Millionen Euro kommen an allgemeinen Steuergeldern noch hinzu. Zusätzlich schießt der deutsche Staat ca. 16 Millionen in kirchliche Krankenhäuser, 2,8 Millionen in kirchliche Kindertagesstätten, 1,8 Millionen in kirchliche Schulen und bezahlt Militärbischöfe mit 15 Millionen Euro. Zudem erhält der Katholikentag einen Zuschuss von drei Millionen Euro und einige Millionen gehen an kirchliche Religions- und Hochschullehrer. Zusätzlich bezieht die katholische Kirche in Deutschland nach einem im Jahre 1803 geschlossenen Vertrag mit Deutschland Entschädigungszahlungen als Ausgleich für durchgeführte Enteignungen in Höhe von 500 Millionen Euro, wobei in der Weimarer Verfassung die Abschaffung hiervon festgelegt und später auch ins Bürgerliche Gesetzbuch übernommen wurde, jeder Versuch der Umsetzung jedoch an diversen kirchennahen Politikern scheiterte, wie jetzt öffentlich gemachte Geheimdokumente belegen. Zusätzlich zu den Milliardeneinnahmen verfügt die katholische Kirche über schätzungsweise 260.000 Hektar Grundbesitz in Deutschland, was in etwa der Größe des Saarlandes entspricht und mehr als 200 Milliarden Euro in Vermögen ausmacht.

All dies wäre der Kirche ja nun auch wirklich zu gönnen, wenn sie dann eben nicht als eine ihrer wichtigsten ideologischen Grundlagen die Bergpredigt mit Werten wie Liebe, Wahrheit, Gewaltlosigkeit, Besitzverzicht, Gerechtigkeit, Treue, Keuschheit nennen würde, wobei erhöhte Ansprüche an ihre Priester und Ordensleute gerichtet sind im Gegensatz zur breiten Masse der Gläubigen. Vor allen Dingen der Besitzverzicht hinterlässt einen schalen Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass das Gehalt eines Pfarrers bei gut 3000 Euro netto, freier Wohnung und diversen Vergünstigungen beginnt und ein Bischof neben einer im Allgemeinen luxuriösen Unterkunft locker schon einmal 7000 Euro netto einheimst. So lebt und arbeitet einer der wichtigsten deutschen Kardinäle, Kardinal Marx in München, im Palais Hollenstein, das für mehrere Millionen Euro umfangreich instand gesetzt wurde. Gleichzeitig verfügt sein Bistum über Zinseinnahmen in Höhe von 420 Millionen Euro (wie bereits oben angeführt können hierdurch Rückschlüsse auf das Gesamtvermögen geschlossen werden), investiert derzeit 30 Millionen Euro in den Neubau eines kirchlichen Museum, schließt jedoch die katholische Obdachlosenherberge, weil hierfür 64.000 Euro benötigt werden, die die Kirche nicht in der Lage ist aufzubringen.

Wobei wir nun wieder am Anfang der Geschichte sind: Immer größere Armut, fehlende finanzielle Mittel und Immobilien, steigende Kluft zwischen Arm und Reich. Und bei der Nächstenliebe.

Können wir wirklich guten Gewissens jeden Sonntag in die Kirche gehen und für „soziale Zwecke“ Geld in den Klingelbeutel werfen und danach an einem Obdachlosen vorbei gehen? Können wir wirklich gezwungen werden, monatlich derartig hohe Beträge an Kirchensteuer von unserem Gehalt zu zahlen ohne jegliche Möglichkeit, den Verbleib weiter zu verfolgen? Und müssen wir wirklich hinnehmen, dass Steuergelder an ein Unternehmen gehen, das eher die Bundesrepublik Deutschland unterstützen könnte als umgekehrt? Wie gesagt, keiner kann einem Unternehmen kapitalistisches Denken vorwerfen, doch sollte dieses Unternehmen sich dann auch an die vorhandenen Gesetze halten, eine Handelsbilanz vorlegen und zu seiner Einstellung stehen. Man tanzt eben nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig und würde die katholische Kirche ihre Moralvorstellungen auf ihr eigenes unternehmerisches Handeln anwenden, würde dies dem Staat einige Millionen mehr einbringen. Gleichzeitig dürfen wir die Kirche nicht in verschiedene Bereiche wie Arbeitgeber, Unternehmen und Religionsgemeinschaft unterteilen. Gerade die Kirche muss authentisch sein und ihr Handeln in jedem Bereich den selbst gewählten Werten anpassen. Und ist dieser Wert „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, gibt es keinerlei Diskussion darüber, wie mit Geldwerten oder Immobilien umgegangen werden muss. Jedes einfache Gemeindemitglied erfüllt diese Vorgabe mehr als eine Kirche, die Vermögen anhäuft und ob der Masse an Besitztümern noch nicht einmal ansatzweise in der Lage ist, genaue Werte mitzuteilen.

Es ist definitiv an der Zeit, dass Kirchenmitglieder aufwachen und sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Wer seinen Zehnten abgibt, um in Mangel lebende Menschen zu unterstützen, hat ein Anrecht darauf zu erfahren, wohin dieses Geld geht. So wie jeder Steuerzahler im Weltlichen klare Informationen darüber erhalten kann, wie seine Steuern verwendet werden, so muss auch die Kirche sich die Frage gefallen lassen, was sie mit den Milliarden anfängt, die sie jährlich erhält oder sich alternativ darauf verlassen, dass das vorhandene Vermögen und freiwillige Abgaben der Gemeindemitglieder zur Finanzierung ausreichen werden. Doch all dies ist eine rein logische und rechtliche Konsequenz. Moralisch gesehen ist das Verhalten weitaus verwerflicher, denn die Diskrepanz zwischen vorgegebenen Werten und Regeln und der Umsetzung in der eigenen Verwaltung zeugt von einem System, das in keinster Weise an das glaubt was es da predigt.

Zu hoffen bleibt, dass sich jeder Einzelne seiner Verantwortung bewusst wird und in Liebe und Respekt die Einhaltung der eigenen Maßstäbe der Kirche einfordert.